Ameisenstraßen unterbrechen: warum Wischen die Straße nicht beendet

Zuletzt aktualisiert: 9. September 2026

Du wischst die Straße weg, und am nächsten Morgen läuft sie wieder — auf fast derselben Linie. Das liegt nicht daran, dass du zu nachlässig gewischt hast. Es liegt daran, dass eine Ameisenstraße aus mehr besteht als der Duftspur, die du entfernst.

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Kurz gesagt:

Eine einzelne frische Markierung der Schwarzen Wegameise ist bei Zimmertemperatur nach etwa 47 Minuten nicht mehr nachweisbar — eine eingelaufene Straße dagegen bleibt geschätzt 24 Stunden und länger wahrnehmbar. Wischen entfernt deshalb bestenfalls die oberste, kurzlebige Schicht. Dazu kommt: Erfahrene Arbeiterinnen finden den Weg auch ohne Spur wieder (73 % gegen 62 % richtige Abzweigungen im Versuch), und an einer Gabelung nehmen sie ohnehin bevorzugt den geraderen Ast. Unterbrechen wirkt deshalb nur als erster von drei Schritten: Spur unterbrechen, Nahrungsquelle entziehen, Zugang dauerhaft schließen. Rechtlich ist es die sauberste Maßnahme gegen Ameisen überhaupt, weil sie kein Tier fängt, verletzt oder tötet.

Deine Beobachtung stimmt — nur die Erklärung dazu nicht

Wer eine Ameisenstraße abwischt, sieht danach tatsächlich weniger Betrieb. Das ist keine Einbildung, und wir werden dir hier nicht erzählen, dass Wischen „nicht funktioniert“. Es funktioniert — für ein paar Stunden. Die interessante Frage ist deshalb nicht, ob es etwas bringt, sondern warum die Wirkung endet. Das sind zwei verschiedene Fragen, und die zweite beantwortet fast keine Anleitung.

Die Antwort besteht aus drei Teilen: Die Spur ist zäher, als man denkt. Die Tiere brauchen sie gar nicht unbedingt. Und der Grund, aus dem die Straße entstand, steht nach dem Wischen meist noch am selben Platz.

Was eine Ameisenstraße chemisch überhaupt ist

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg beschreibt es in seinem Merkblatt zu Wiesen-, Weg- und Holzameisen knapp und richtig: Ameisen legen „von ihrem Bau zu den Futterplätzen sog. Ameisenstraßen an, die durch Pheromone, der Kommunikation dienende Hormone, für Artgenossen markiert werden“. Was dort offenbleibt, ist die Menge — und die erklärt, warum man beim Wischen im Grunde nichts Sichtbares entfernt.

Bei der Schwarzen Wegameise (Lasius niger), der Art, die praktisch jede Straße über Terrasse und Türschwelle legt, ist der Spurstoff chemisch identifiziert: ein Isocumarin, genauer 3,4-Dihydro-8-hydroxy-3,5,7-trimethylisocumarin, gebildet im Enddarm. Eine Arbeiterin trägt davon 150 bis 200 Pikogramm mit sich — ein Pikogramm ist ein Billionstel Gramm. Die gesamte Markierungsmasse einer Straße wäre unter dem Mikroskop kaum zu finden. Du wischst also keinen Belag weg, sondern einen Geruch.

Wie lange eine Spur hält — die Zahlen

Der entscheidende Unterschied, den keine Kurzanleitung macht, ist der zwischen einer einzelnen frischen Markierung und einer Straße, auf der seit Tagen gelaufen wird. In einer Arbeit über das Abzweigverhalten von Lasius niger heißt es dazu im Wortlaut:

„A single dot of L. niger trail pheromone has been estimated to become undetectable in 47 min at room temperature, and established trails have been estimated to remain detectable for 24 h or longer.“

Übersetzt: eine frische Markierung ist nach rund einer Dreiviertelstunde weg, eine eingelaufene Straße nach einem Tag noch da. Der Grund ist einfach: Auf einer benutzten Straße markiert jede vorbeilaufende Arbeiterin nach, und die Duftstoffe schichten sich auf. Solange Betrieb herrscht, wird schneller nachgezogen, als zerfällt.

Was Wie lange Art und Bedingungen
Einzelne frische Markierung nach rund 47 Minuten nicht mehr nachweisbar Schwarze Wegameise (Lasius niger) Zimmertemperatur
Eingelaufene, benutzte Straße 24 Stunden und länger wahrnehmbar Schwarze Wegameise (Lasius niger) Schätzung aus derselben Quelle
Kurzlebige Anlock-Spur auf Kunststoff Halbwertszeit rund 25 Minuten Pharaoameise (Monomorium pharaonis) Polycarbonat, Laborversuch
Dieselbe Spur auf Papier Halbwertszeit rund 8 Minuten Pharaoameise (Monomorium pharaonis) Zeitungspapier, Laborversuch
Wirkung der kurzlebigen Anlock-Spur endet nach 33 Minuten kein messbarer Effekt mehr Pharaoameise (Monomorium pharaonis) Verhaltensversuch an der Gabelung
Langlebige Netz-Spur auch nach mehreren Tagen Nichtnutzung wiederauffindbar Pharaoameise (Monomorium pharaonis) eigenes, zweites Pheromon
Warum hier zwei Arten stehen:

Die genauesten Zerfallsmessungen gibt es für die Pharaoameise, einen Vorratsschädling, der im Labor seit Jahrzehnten untersucht wird — nicht für die Wegameise in deinem Garten. Der Mechanismus ist derselbe, die Größenordnung dürfte übertragbar sein; ein gemessener Wert für deine Terrasse ist es nicht. Wir schreiben das lieber dazu, als eine Zahl zu erfinden, die niemand erhoben hat.

Der Untergrund entscheidet mit

Eine Spur zerfällt nicht überall gleich schnell. In einem Laborvergleich zweier Untergründe lag die Halbwertszeit einer gut etablierten Spur auf glattem Polycarbonat-Kunststoff bei rund 25 Minuten, auf Zeitungspapier bei rund 8 Minuten. Saugendes, poröses Material nimmt den Stoff auf und entzieht ihn der Oberfläche; glattes Material hält ihn oben, wo er gerochen wird.

Für die Praxis heißt das etwas Unbequemes: Genau die Flächen, über die Ameisen ins Haus laufen — Fliese, Laminat, lackierte Türschwelle, Kunststofffensterbank — sind die haltbarsten. Auf einer verputzten Mauer oder auf Erde wäre die Spur schneller von selbst verschwunden. Wischen lohnt sich deshalb dort am meisten, wo es am wenigsten nötig erscheint: auf den glatten Metern.

Warum sie zurückkommen, obwohl die Spur weg ist

Selbst wenn du jede Spur entfernst, ist die Ameise nicht orientierungslos. Dafür gibt es drei unabhängige Gründe, und alle drei sind gemessen.

Erstens: Sie erinnern sich.

In einem Versuch mit einer verzweigten Laufstrecke liefen Arbeiterinnen der Schwarzen Wegameise sechsmal mit vorhandener Duftspur zur Futterquelle. Beim siebten Durchgang wurde die Spur entfernt — die Tiere trafen trotzdem in 73 Prozent der Fälle die richtige Abzweigung, während Tiere ohne diese Vorerfahrung nur auf 62 Prozent kamen. An der zweiten Gabelung war der Befund noch deutlicher: Erfahrene Tiere ohne Pheromon und unerfahrene Tiere mit Pheromon waren gleich treffsicher (78 gegen 75 Prozent). Streckenkenntnis ersetzt die Spur weitgehend.

Zweitens: Sie folgen der Geometrie.

Ohne jede chemische Information entscheidet die Form der Abzweigung. An einer symmetrischen Gabelung wählten die Tiere praktisch zufällig (47 Prozent), an einer stark asymmetrischen Gabelung nahmen 73 Prozent den Ast, der am wenigsten von der geraden Linie abweicht. Eine Ameise, die aus der Fuge kommt und geradeaus die Sockelleiste entlangläuft, landet also mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder dort, wo sie gestern schon war — ganz ohne Duftspur.

Drittens: Der Anlass steht noch da.

Eine Straße entsteht nicht aus Gewohnheit, sondern weil am Ende etwas zu holen ist. Im Haus ist das Zucker in jeder Form, im Garten häufig etwas anderes: Die Schwarze Wegameise „hält“ sich Blattläuse, schützt sie und ernährt sich von deren zuckerhaltigen Ausscheidungen. Wer die Straße wegwischt und die Blattläuse stehen lässt, hat die Anzeige entfernt und den Grund behalten. Wie du diesen Fall angehst — Klebering am Stamm statt Bekämpfung der Ameisen — steht im Überblick zu Ameisen im Garten und Haus.

Fünf Erwartungen, an der Datenlage gemessen

Erwartung Was die Quellen hergeben
Ist die Spur weg, sind die Ameisen orientierungslos so nicht haltbar Nein. Erfahrene Tiere finden die Strecke aus dem Gedächtnis: 73 % richtige Abzweigungen ohne Spur gegen 62 % bei Tieren ohne Streckenerfahrung. An der zweiten Gabelung war Erfahrung ohne Spur so gut wie Spur ohne Erfahrung (78 % gegen 75 %).
Eine Straße zerfällt in unter einer Stunde nur zum Teil Nur die einzelne frische Markierung (rund 47 Minuten). Eine eingelaufene Straße bleibt geschätzt 24 Stunden und länger nachweisbar — sie wird ständig nachgezogen.
Ein gestreuter Strich hält sie auf so nicht haltbar Barrieren-Denken hält der Prüfung selten stand. Im Wahlversuch mieden Testinsekten eine bestäubte Fläche nicht, sondern suchten sie sogar auf — der Effekt war anziehend, nicht abschreckend.
Der Untergrund ist egal so nicht haltbar Nein. Im Laborvergleich lag die Halbwertszeit auf glattem Kunststoff bei rund 25 Minuten, auf saugendem Papier bei rund 8 Minuten. Fliese, Laminat und lackierte Schwelle sind also die haltbarsten Untergründe.
Wischen und Ködern ergänzen sich so nicht haltbar Sie heben sich auf. Ein Köder wirkt gerade dadurch, dass die Tiere den Weg dorthin markieren; das Landesgesundheitsamt beschreibt die dabei entstehende Straße ausdrücklich als erwarteten Zwischenschritt.

Womit unterbrechen? Was im Labor benutzt wird

Hier kommt die Stelle, an der wir ehrlich sein müssen: Für keinen einzigen Haushaltsreiniger gibt es eine Messung an einer echten Ameisenstraße. Wer dir sagt, Mittel X zerstöre die Duftspur, gibt eine Vermutung als Befund aus.

Was sich sagen lässt, steht in den Methodenteilen der Versuche, aus denen die Zahlen oben stammen: Zwischen den Durchgängen werden die Kunststoffteile der Apparatur mit Ethanol gereinigt, die Papierteile schlicht ausgetauscht. Alkohol und eine frische Oberfläche sind also das, worauf sich Fachleute verlassen, wenn eine Spur wirklich weg sein muss. Für zu Hause folgt daraus ein bescheidener, aber belastbarer Rat:

Was du dir dagegen sparen kannst, ist das Barrieren-Denken: der Kreidestrich, das Häufchen Zimt oder Kaffeesatz „als Grenze“. Genau diese Vorstellung wurde für ein anderes Streumittel geprüft und hielt nicht stand — im Wahlversuch mieden die Testtiere die bestäubte Fläche nicht, sie suchten sie sogar auf. Warum eine Barriere fast nie das ist, wofür man sie hält, steht ausführlich im Ratgeber Kieselgur gegen Ameisen.

Der Widerspruch, den kaum eine Anleitung auflöst

Viele Ratgeber empfehlen im selben Atemzug, die Straße wegzuwischen und einen Köder aufzustellen. Das hebt sich gegenseitig auf, und das Landesgesundheitsamt beschreibt genau, warum:

„Bei einigen Ameisenköderverfahren ist zu beachten, dass es zuerst zu einer scheinbaren Verstärkung der Ameisenplage kommt, wenn die Ameisen den Köder entdeckt haben und den Weg zur neuen Futterquelle mit Pheromonen markieren. In der Folge kommt es zur Ausbildung von Ameisenstraßen.“

Ein Köder wirkt durch die Straße: Er muss ins Nest getragen werden, und dafür braucht es eine markierte Transportlinie. Wer sie wegwischt, unterbricht die eigene Maßnahme. Entscheide dich also für eines. Wir empfehlen den Köder nicht — handelsübliche Ameisenköder enthalten in aller Regel einen Insektizid-Wirkstoff, und das passt nicht zu einem konsequent chemiefreien Vorgehen. Aber wenn du dich dafür entscheidest, dann wisch die Straße in dieser Zeit nicht.

Rechtlich ist Unterbrechen die sauberste Maßnahme überhaupt

Auf dieser Seite geht es sonst häufig darum, welche Methode verboten ist. Hier ist es einmal umgekehrt. Der allgemeine Artenschutz in § 39 Absatz 1 Nummer 1 Bundesnaturschutzgesetz verbietet es,

„wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“.

Eine Duftspur zu entfernen ist keines davon. Es wird kein Tier angefasst, nichts gefangen, nichts getötet. Anders als bei Fallen, Ködern oder Bioziden gibt es hier keine Zulassungsfrage, keine Höchstmenge und keinen Bußgeldrahmen. Das ist der oft übersehene Vorteil der unspektakulärsten Methode.

Zwei Grenzen solltest du trotzdem kennen. Die erste: Nummer 3 desselben Absatzes verbietet es, „Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören“. Eine Spur wegzuwischen fällt nicht darunter, ein Nest auszugraben schon — dafür brauchst du einen vernünftigen Grund, und bloßes Ärgernis ist keiner.

Die zweite: Nicht jede Ameise ist rechtlich gleich. Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung führt in der Ordnung Hautflügler dreizehn Arten der Gattung Formica — die Waldameisen — namentlich als besonders geschützt auf:

Wissenschaftlicher Name Deutscher Name laut Anlage 1
Formica aquilonia Alpenwaldameise
Formica bruni — (kein deutscher Name in der Anlage)
Formica exsecta Große Kerbameise
Formica foreli — (kein deutscher Name in der Anlage)
Formica forsslundi — (kein deutscher Name in der Anlage)
Formica lugubris Gebirgs-Waldameise
Formica nigricans — (kein deutscher Name in der Anlage)
Formica polyctena Kahlrückige Waldameise
Formica pratensis — (kein deutscher Name in der Anlage)
Formica pressilabris Furchenlippige Kerbameise
Formica rufa Rote Waldameise
Formica truncorum Strunkameise
Formica uralensis Uralameise

Zwei Dinge stehen dort ebenfalls — und beide sind für die Praxis wichtig. Erstens trägt keine dieser Arten in der Anlage das zweite Kennzeichen: Sie sind besonders, aber nicht streng geschützt. Zweitens fehlt die Gattung Lasius dort vollständig — die Schwarze Wegameise, die praktisch jede Straße über deine Terrasse legt, ist also nicht besonders geschützt. Für sie gilt allein der allgemeine Schutz aus § 39.

In der Praxis ist die Unterscheidung meist eindeutig: Waldameisen bauen ihre bekannten Nestkuppeln aus Nadeln und Zweigstücken, typischerweise an sonnigen Waldrändern, nicht unter der Küchenschwelle. Wenn du dir aber unsicher bist — etwa bei einem großen Nesthügel am Grundstücksrand — frag kurz bei der unteren Naturschutzbehörde nach, bevor du daran arbeitest. Dieselbe Regel gilt bei uns auch beim Wespennest und beim Maulwurf.

Hausmittel und Biozidrecht: die Ausnahme, die kaum jemand kennt

Auf dieser Seite haben wir schon mehrfach beschrieben, dass ein Mittel gegen Schädlinge rechtlich ein Biozidprodukt ist und eine Zulassung braucht — beim Kieselgur etwa. Für Küchenmittel gilt allerdings eine ausdrückliche Ausnahme, die praktisch nie zitiert wird. Artikel 2 Absatz 5 Buchstabe a der Biozidverordnung lautet:

„Diese Verordnung gilt nicht für: a) Lebens- oder Futtermittel, die als Repellentien oder Lockmittel verwendet werden“.

Wer also Zimt, Zitronenschale oder Haushaltsessig aus dem eigenen Schrank nimmt, um Ameisen fernzuhalten, bewegt sich außerhalb des Biozidrechts. Ein gekauftes „Ameisen-Abwehrspray“ dagegen ist ein Biozidprodukt der Produktart 19 — Anhang V der Verordnung definiert sie als „Repellentien und Lockmittel: Produkte zur Fernhaltung oder Köderung von Schadorganismen“ — und braucht eine Zulassung. Und wer nicht fernhält, sondern tötet, landet bei der Produktart 18, den Insektiziden.

Aber Vorsicht bei Essig im Freien:

Die Ausnahme gilt für Lebensmittel, die als Abwehr- oder Lockmittel gegen Tiere eingesetzt werden. Sie deckt nicht den Fall ab, dass Essig gegen Pflanzen auf befestigten Flächen gespritzt wird — das ist Pflanzenschutzrecht, ein völlig anderer Rechtskreis mit einer eigenen Verbotsnorm. Was dort erlaubt ist und was nicht, steht im Ratgeber Essig im Garten.

Die drei Schritte, in dieser Reihenfolge

Wischen als Einzelmaßnahme ist verlorene Zeit. Wischen als mittlerer von drei Schritten beendet die Straße dauerhaft. Die Reihenfolge ist dabei nicht beliebig.

  1. Erst die Straße zu Ende verfolgen — vor dem Wischen. In beide Richtungen: zum Ziel (welcher Schrank, welcher Napf, welche Blattlauskolonie) und zur Eintrittsstelle (welche Fuge, welche Schwelle, welcher Kabeldurchlass). Wer zuerst wischt, löscht seine eigene Landkarte.
  2. Dann den Anlass entziehen. Zucker, Honig, Obst und Tierfutter luftdicht oder weg; Krümel unter der Spüle; im Garten die Blattläuse an der befallenen Pflanze angehen statt die Ameisen. Solange sich der Weg lohnt, wird er neu gelegt.
  3. Jetzt erst wischen — die ganze Linie, auch draußen, mit Spülmittel oder Alkoholreiniger, abends bei wenig Betrieb.
  4. Zum Schluss den Zugang schließen. Dieser Schritt entscheidet, ob du die drei Schritte einmal machst oder den ganzen Sommer wiederholst. Fugen mit dauerelastischem Dichtstoff, Türschwellen mit einer Bürstendichtung.

Für den letzten und wichtigsten Schritt braucht es nichts Chemisches, nur eine Leiste:

🐜 Die Straße ist das Symptom, nicht die Ursache

Wenn du wissen willst, wie die vier Schritte im Detail aussehen — vom Zurückverfolgen bis zum Klebering am Stamm —, steht der vollständige Weg im Überblicksartikel. Nach demselben Muster arbeiten unsere Ratgeber zu Schnecken und Wespen.

→ Zum Ameisen-Überblick

Häufige Fragen zu Ameisenstraßen

Wie lange dauert es, bis eine Ameisenstraße von selbst verschwindet?

Das hängt davon ab, wie eingelaufen sie ist. Für die Schwarze Wegameise wird geschätzt, dass eine einzelne frische Markierung bei Zimmertemperatur nach rund 47 Minuten nicht mehr nachweisbar ist — eine etablierte Straße dagegen 24 Stunden und länger wahrnehmbar bleibt. Der Unterschied entsteht dadurch, dass auf einer benutzten Straße ständig neu markiert wird und sich die Duftstoffe aufschichten. Solange also Tiere laufen, erneuert sich die Spur schneller, als sie zerfällt; erst wenn der Grund für die Straße wegfällt, läuft sie aus.

Womit wische ich eine Ameisenstraße am besten weg?

Ehrliche Antwort: Für keinen Haushaltsreiniger gibt es eine Messung an einer echten Ameisenstraße. Was sich sagen lässt: In den Versuchen, aus denen die Zahlen oben stammen, werden Apparaturen mit Ethanol gereinigt oder die Papierauflage wird ausgetauscht — Alkohol und ein sauberer Untergrund sind also das, worauf sich Fachleute verlassen. Für zu Hause heißt das praktisch: warmes Wasser mit etwas Spülmittel, danach trocken nachwischen, auf unempfindlichen Flächen alternativ ein Alkoholreiniger. Viel wichtiger als das Mittel ist, dass du die ganze Linie erwischst und nicht nur den Abschnitt, der dich stört.

Hilft Essig gegen Ameisenstraßen?

Essig überdeckt den Geruch kurzfristig, und viele Leute beobachten danach tatsächlich weniger Betrieb. Eine belastbare Untersuchung, die zeigt, dass Essig die Spurstoffe zerstört statt sie nur zu überlagern, kennen wir nicht. Rechtlich ist Haushaltsessig unproblematisch, solange du ihn im Haus als Abwehrmittel einsetzt: Die Biozidverordnung gilt ausdrücklich nicht für Lebens- oder Futtermittel, die als Repellentien verwendet werden. Etwas anderes gilt, sobald Essig im Garten gegen Pflanzen zum Einsatz kommt — dazu haben wir einen eigenen Ratgeber.

Warum kommen die Ameisen an genau derselben Stelle wieder?

Weil die Spur nicht der einzige Wegweiser ist. Erfahrene Arbeiterinnen merken sich die Strecke: In einem Versuch trafen Tiere, die eine Strecke sechsmal mit Duftspur gelaufen waren, beim siebten Mal ohne Spur noch in 73 Prozent der Fälle die richtige Abzweigung, Tiere ohne diese Erfahrung nur in 62 Prozent. Dazu kommt, dass Ameisen an einer Gabelung ohnehin bevorzugt den geraderen Ast nehmen — und dass die Nahrungsquelle, wegen der die Straße überhaupt entstand, nach dem Wischen meist noch am selben Platz steht.

Ist es erlaubt, eine Ameisenstraße zu unterbrechen?

Ja, und es ist die rechtlich sauberste Maßnahme gegen Ameisen überhaupt. Paragraf 39 Absatz 1 Nummer 1 Bundesnaturschutzgesetz verbietet, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Eine Duftspur zu entfernen ist nichts davon — es wird kein Tier angefasst. Anders sieht es aus, wenn du ein Nest ausgräbst: Das ist eine Lebensstätte im Sinne von Nummer 3 und braucht einen vernünftigen Grund. Und dreizehn Waldameisen-Arten der Gattung Formica sind nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung ausdrücklich besonders geschützt.

Muss ich das Nest suchen, damit es aufhört?

Suchen lohnt sich, ausgraben meistens nicht. Der Sinn der Suche liegt darin, den Eintrittsweg zu finden — die Stelle, an der die Straße durch Mauerwerk, Fuge oder Türschwelle ins Haus führt. Genau diese Stelle lässt sich dauerhaft schließen, und damit endet die Straße endgültig statt nur für einen Tag. Das Nest selbst liegt bei der Schwarzen Wegameise oft unter Pflastersteinen, Terrassenplatten oder morschem Holz; es zu zerstören, verlagert das Problem meist nur und ist bei geschützten Arten zusätzlich verboten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung und keine Auskunft der zuständigen Behörde. Ob eine Art im Einzelfall geschützt ist, entscheidet die untere Naturschutzbehörde. Die angeführten Zerfalls- und Verhaltenswerte stammen aus Laborversuchen, teils an der Pharaoameise statt an der Schwarzen Wegameise, und sind nicht unbesehen auf Ameisen im Freien übertragbar. Zu keinem Haushaltsreiniger liegt uns eine Messung an einer echten Ameisenstraße vor; die Empfehlungen dazu beruhen auf dem im Labor üblichen Vorgehen, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis. Genannte Mittel „sollen“ beziehungsweise „können“ wirken; eine garantierte Wirkung gibt es nicht.

Quellen und Stand: A. Forster, T. J. Czaczkes, E. Warner, T. Woodall, E. Martin, F. L. W. Ratnieks, „Effect of Trail Bifurcation Asymmetry and Pheromone Presence or Absence on Trail Choice by Lasius niger Ants“, Ethology 120 (2014), 768–775 (dort unter Berufung auf Beckers u. a. 1993 und Evison u. a. 2008 die Werte 47 Minuten und 24 Stunden); T. J. Czaczkes, C. Grüter, L. Ellis, E. Wood, F. L. W. Ratnieks, „Ant foraging on complex trails: route learning and the role of trail pheromones in Lasius niger“, Journal of Experimental Biology 216 (2013), 188–197; R. Jeanson, F. L. W. Ratnieks, J.-L. Deneubourg, „Pheromone trail decay rates on different substrates in the Pharaoh's ant, Monomorium pharaonis“, Physiological Entomology 28 (2003), 192–198; E. J. H. Robinson u. a., „Decay rates of attractive and repellent pheromones in an ant foraging trail network“, Insectes Sociaux 55 (2008), 246–251; Journal of Chemical Ecology (2025), „Identification of Trail Following and Alarm Pheromones of Lasius flavus“ (dort die Angaben zum Spurstoff und zur Menge bei Lasius niger nach Bestmann u. a. 1992); Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Merkblatt „Wiesen-, Weg- und Holzameisen“; Bundesnaturschutzgesetz § 39; Bundesartenschutzverordnung Anlage 1, Ordnung Hymenoptera; Verordnung (EU) Nr. 528/2012 über Biozidprodukte, Artikel 2 und Anhang V. Gesetzestexte im Volltext geprüft. Eigene Recherche und Einordnung, Stand 9. September 2026 — keine Rechtsberatung. Produkt-Links führen zu Amazon; als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

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